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Flotte electric: Die Elektrifizierung kommunaler Fuhrparks

Quelle: Flotte electric

Elektromobilität kommt – und Kommunen spielen bei der Entwicklung der Elektromobilität eine herausragende Rolle. Das gilt für die Schaffung guter Infrastruktur und regulatorischer Rahmenbedingungen und insbesondere auch für den Einsatz elektrischer Fahrzeuge in den eigenen Fuhrparks der Kommunen bzw. kommunalen Betriebe.

  • Kontakt
    Verein Kommunen in der Metropolregion Hannover Braunschweig Göttingen Wolfsburg ‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬

    Ansprechpartnerin: Bianca Schmidt
    Email bianca.schmidt@metropolregion.de
    Internet www.metropolregion.de/electric
  • Förderung
    Projekt: Kommunen fördern Elektromobilität im Rahmen der F&E Initiative „Schaufenster Elektromobilität“ des BMVI (2013-2017).
    Fortsetzung durch den Verein "Kommunen in der Metropolregion" ohne laufende Projektförderung.

Die Kommunen im Gebiet der Metropolregion Hannover Braunschweig Göttingen Wolfsburg verfügen über jahrelange, praktische Erfahrungen mit dem Betrieb von vollelektrischen Personenkraftwagen, leichten Nutzfahrzeugen und elektrischen Zweirädern in kommunalen Fuhrparks.

Zur Erprobung der Einsatzfähigkeit wurde 2013 eine Modelflotte unter dem Titel „Flotte electric“ auf den Weg gebracht. Das Vorhaben entstand im Kontext der F&E-Initiative der Bundesregierung „Schaufenster Elektromobilität“ und wurde vom Bundesverkehrsministerium bis 2017 gefördert. Während dieses Zeitraums bestanden nur geringe Erfahrungen über die Einsatzfähigkeit von vollelektrischen PKWs und leichten Nutzfahrzeugen in den Fuhrparks von Kommunen und kommunalen Betrieben.

Der Verein "Kommunen in der Metropolregion" hat diese Modelflotte weitergeführt und die erworbenen Kompetenzen in weitere regionale, nationale und europäische Kooperationsvorhaben eingebracht. Die fachliche Begleitung erfolgt durch eine beim Verein angesiedelte Kompetenzstelle (Amt electric).

Bisher haben sich seit 2013 ca. 90 Kommunen und kommunale Betriebe an dem Modellversuch beteiligt. Insgesamt waren bisher rund 280 vollelektrische PKW und leichte Nutzfahrzeuge im Einsatz. Die Fahrzeuge haben eine Laufleistung von rund sechs Millionen Kilometern erbracht.

Die Flotte electric hat wesentlich dazu beigetragen, dass in den kommunalen Fuhrparks der Metropolregion eine relativ hohe Elektrifizierungsquote vorzufinden ist. Städte, wie etwa Langenhagen, können mittlerweile ihre Fahrten im PKW-Segment annährend vollständig elektrisch durchführen. Das Interesse der Kommunen an der Beteiligung an der Flotte electric übersteigt seit ihrer Gründung deutlich das zur Verfügung stehende Angebot an Fahrzeugen.

Das Konzept der Flotte electric

Der Verein „Kommunen in der Metropolregion“ betreibt eine Flotte mit vollelektrischen Fahrzeugen. Die Fahrzeuge werden in der Regel für einen Zeitraum von drei Jahren vom Verein geleast. Eine begrenzte Anzahl von E-Fahrzeugen wurden vom Verein gekauft. Aus diesem Fahrzeugbestand können sich Kommunen und kommunale Betriebe aus dem Gebiet der Metropolregion Fahrzeuge für einen Zeitraum von bis zu drei Jahren Fahrzeuge auswählen. Bei den Fahrzeugen handelt es sich überwiegend um die Modelle: Volkswagen eUP; Volkswagen eGolf; RENAULT Kangoo Z.E; RENAULT ZOE; RENAULT Twizy; Volkwagen ID 3.

Leistungen der Flotte electric

Der Verein "Kommunen in der Metropolregion" bietet den Kommunen und kommunalen Betrieben folgende Leistungen:

Bereitstellung eines vollelektrischen Fahrzeuges
Die Kommunen / kommunalen Betriebe werden bei der Auswahl des Fahrzeuges unterstützt. Hier werden das zu erwartende Fahrprofil analysiert und Vorschläge für ein passendes Fahrzeug unterbreitet. In der Regel werden vorhandene Fahrzeuge (mit konventionellem Antrieb) ersetzt. Das Einsatzgebiet, die tägliche und jährliche Laufleistung können dadurch exakt eingeschätzt werden.
Bei zusätzlich angeschafften Fahrzeugen kann eine Fahrprofilprognose abgegeben werden. Aufgrund der Erfahrungslage können fachlich fundierte Empfehlungen ausgesprochen werden.

Beratung beim Aufbau von Ladeinfrastruktur
Mit Beteiligung an der Flotte electric erhalten die Kommunen/kommunalen Betriebe Empfehlungen zur Bereitstellung von Lademöglichkeiten. Hier werden die Möglichkeiten der Nutzung von Strom aus (neu)installierten PV-Anlagen sowie die Verbindung zu Lademöglichkeiten für Beschäftigte und Kund*innen untersucht und entsprechende Vorschläge unterbreitet. In diesem Kontext erfolgt eine Begutachtung der Ladeinfrastruktursituation im jeweiligen Stadtgebiet.

Einführung eines Managementsystems
Den Beteiligten an der Flotte electric wird empfohlen, das Fuhrparkmanagement und die Regelungen zur Nutzung der Fahrzeuge zu überprüfen. Ziel der Überprüfung ist die Reduzierung der Fahrzeugzahl sowie ein verändertes Mobilitätsverhalten. Ein besonderer Aspekt liegt in der Nutzung von elektrischen Zweirädern (Pedelec und E-Cargo-Bikes) sowie dem Zugriff auf Leihfahrzeuge. Es wird jeweils geprüft, ob durch Nutzungsverträge mit Anbietern von Leihfahrzeugen das lokale Angebot elektrischer Fahrzeuge im Car-Sharing gestärkt werden kann.

Schulung von Fahrer:innen
Für die optimale Nutzung der Vorteile von vollelektrischen Fahrzeugen im kommunalen Einsatz ist eine Schulung der Beschäftigten sinnvoll. Der Verein hat gemeinsam mit einer Einrichtung für die Ausbildung von Berufskraftfahrern ein Schulungsprogramm für das Fahren von Elektroautos entwickelt. Dieser eintägige Kurs vermittelt Kenntnisse über die Technik von E-Fahrzeugen und über die Effekte des Elektroantriebes für den Klima- und Umweltschutz. Die Schulung umfasst auch Tipps für das Fahren (Einschätzung von Reichweiten etc.) sowie für die Nutzung von öffentlicher Ladeinfrastruktur. Die Schulungen werden im Rahmen der Flotte electric kostenfrei angeboten.

Vorteile des Modells der Flotte electric

Optimale Nutzung der Vorteile der Elektromobilität
Die Flotte electric unterstützt bei der Wahl des passenden Fahrzeuges und vermeidet dadurch insbesondere eine Überdimensionierung der Batterie. In vielen Fällen entscheiden sich die Kommunen bei einer Fahrzeugbeschaffung für eine unangemessen große Batterie. Durch die Beratung und die Flottenbereitstellung (die Fahrzeuge könnten ggf. auch gegen größere Fahrzeuge getauscht werden) folgen die Kommunen /Betriebe in der Regel der Empfehlung. Die Schulung der Fahrer*innen fördert ein besseres Nutzungsverhalten und sorgt für einen geringeren Energieverbrauch.

Verbindung von Verkehrs- und Energiewende
Bei der Fahrzeugauswahl und der Beratung für Ladeinfrastruktur werden energieeffiziente Fahrzeuge in den Vordergrund gestellt. Es wird der Aufbau von PV-Anlagen für die Produktion von Ladestrom empfohlen. Es werden Fuhrpark- und Mobilitätsüberprüfungen angeraten. Lokale Car-Sharing-Angebote werden gestärkt.

Finanzielle Vorteile
Durch die Nutzung von Konditionen von Großkunden sowie ggf. staatlicher Unterstützungsprogramme (z.B. Innovationsprämie) sind die Kosten für die Beteiligung an der Modellflotte im Regelfall günstiger als die reguläre Beschaffung eines E-Fahrzeuges durch die Kommune / den Betrieb selbst. Im Segment der PKW ist mittlerweile im Regelfall eine Kostenparität gegenüber Fahrzeugen mit konventionellen Antrieben erreicht worden. Die Kosten für die Nutzung der Fahrzeuge haben sich im Lauf der Zeit deutlich verringert.

Kompetenzsteigerung: Verbindung von Herstellern und Nutzern
Die Flotte electric organsiert einen Austausch zwischen den Kommunen untereinander sowie einen Dialog mit Herstellern von Fahrzeugen. Dieser Austausch verbessert die Nutzungsbedingungen und hilft Herstellern bei der Konzipierung von Elektrofahrzeugen für den kommunalen Sektor.

Herausforderungen

  • Mit einer breiter werdender Fahrzeugpalette am Markt, erhöht sich der Beratungsbedarf bei den Kommunen. Damit steigen auch die Anforderungen an eine qualitativ hochwertige Beratung.
  • Die Einbindung des Betriebs der E-Fahrzeugflotte in ein lokales Energiesystem (Erzeugung PV-Strom, Speicherung, Netzentlastung) erfordert eine zusätzliche fachliche Unterstützung.
  • Im Bereich der Sonderfahrzeuge besteht noch ein gravierender Mangel an Fahrzeugen mit Elektroantrieb.

Learnings

  • Die Tauglichkeit von Elektrofahrzeugen in den Fuhrparks von Kommunen und kommunalen Betrieben ist vollumfänglich belegt.
  • Bei Betrachtung der Vollkosten zeigen sich in vielen Fällen E-Fahrzeuge als die wirtschaftlichste Lösung.
  • In der Regel sind die Reichweiten der vollelektrischen Fahrzeuge für den kommunalen Einsatz mehr als ausreichend. Es bietet sich für den Regelfall die Auswahl der kleinsten Batteriegröße an.
  • Der Aufbau einer geeigneten Ladeinfrastruktur stellt die Kommunen vor keine großen Herausforderungen. Aufgrund der im Regelfall vorhandenen Dachflächen auf den Betriebshöfen bietet sich der Aufbau von PV-Anlagen und ggf. stationären Speichern an. Auch die (Mit-)Nutzung öffentlicher Ladeinfrastruktur ist eine Möglichkeit.
  • Projekte wie die Flotte electric können Vorbild sein für den Aufbau von regionalen E-Fahrzeugflotten. Auf diesem Wege können die Kosten für die Beschaffung/Nutzung gesenkt werden und Aktivitäten wie die Schulung von Fahrer*innen, die gemeinsame Nutzung von Sonderfahrzeugen oder die Entwicklung regionaler Verleihsysteme erleichtert werden.

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